Wer ist wirklich mächtig auf dieser Welt?

-Was ist der Unterschied zwischen einem Indexprodukt und einem Publikumsfonds und was scharwenzelt die Chinesische Mauer da noch herum?

Das klingt alles sehr langweilig und ist es eigentlich auch. Problem nur: Es hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf uns, auf unser Leben, unsere Freiheit. Jetzt ist nämlich der Zeitpunkt, an dem du dich aus deinem Lesesessel erhebst und deine Eltern fragst, ob sie eigentlich Aktien haben. Aktien, das sind Wertpapiere, also Geld, welches man in eine Firma investiert in der Hoffnung, dass diese sehr erfolgreich wird, also quasi der fiktive Erwerb eines Firmenanteils. Wenn dem nämlich so ist, dann kannst du dieses Stück Papier, auf dem dein Besitz notiert ist, wieder weiterverkaufen und bekommst vielleicht sogar mehr Geld, als du zuvor ausgegeben hast. Wenn es der Firma jedoch schlecht geht, dann bekommst du weniger Geld, wenn du Aktie weiterverkaufst und machst damit ein Verlustgeschäft. Es geht also um Risiken. Wenn deine Eltern Aktien haben, dann haben sie verschiedene Möglichkeiten gehabt. Entweder, sie haben in ein spezielles Unternehmen investiert. Sie werden sich wahrscheinlich beraten lassen haben, wer gerade erfolgreich zu sein scheint und im besten Fall auch noch den Werten deiner Eltern entspricht und daraufhin ein Wertpapier von dieser Firma gekauft haben. Sie können aber auch in einen Publikumsfond investiert haben. Das würde bedeuten, dass ihr Geld zusammen mit dem von vielen anderen in einem großen Topf liegt und von sogenannten Investmentbankern vertretend für deine Eltern investiert wird. Diese entscheiden, was sie für sinnvoll halten und schieben das Geld deiner Eltern hin und her, je nachdem, wo sie gerade die beste Rendite (Gewinn) erhalten. Deine Eltern vertrauen ihr Geld also Bankern an und bezahlen sie sogar dafür. Bei dieser Möglichkeit fällt der Aspekt der Werte meist weg, da der Kauf und Verkauf der Aktien schneller geht und die Investmentbanker keine Rücksicht nehmen können auf die moralischen Einstellungen ihrer Kunden. Dafür ist die Chance, einen großen Überschuss an Geld zu erwirtschaften, deutlich höher, da mit größeren Summen gehandelt wird. Das Risiko, das gesamte Geld zu verlieren, ist jedoch enorm. Die dritte Möglichkeit ist, in sogenannte Indexprodukte zu investieren. Das heißt, deine Eltern versuchen, das Risiko zu umgehen, bei der Investition in nur eine Firma oder falschen Spekulationen von Investmentbankern vielleicht Verluste zu machen und investieren deshalb zum Beispiel in alle Firmen des DAX. Der DAX ist der Deutsche Aktienindex, also ein Verband von Firmen, der an der Börse eine sehr wichtige Rolle spielt. Zu ihm gehören die 30 erfolgreichsten Firmen in Deutschland. Mit einer Investition in den DAX investieren deine Eltern also in alle 30 Unternehmen einen kleinen Teil und können so weniger Geld verlieren, wenn eine Firma der 30 Blödsinn macht und dadurch pleitegeht.
Nehmen wir aber mal an, dass deine Eltern keine Aktien haben. Dann kaufen sie vielleicht bei Rewe ein, tanken bei Total, tragen Schuhe von Adidas, laden ihr Handy mit E.on-Strom, haben einen Telefonvertrag bei der Telekom, besitzen einen Siemensfernseher, fliegen mit Lufthansa in den Urlaub oder haben ein Konto bei der Deutschen Bank. Es reicht aber schon, bei bestimmten Versicherungen zu sein, oder an den deutschen Staat Steuern zu zahlen, denn bei allem hat ein riesiger Konzern seine Finger im Spiel: Black Rock. Black Rock ist ein Investmentkonzern, der ein Vermögen in Höhe von 6 Billionen US-Dollar verwaltet, das heißt Geld für seine Kunden anlegt in allen drei Investitionsmöglichkeiten. Er hat sich jedoch auf Risikogeschäfte spezialisiert. Er besitzt zwischen 3% und 10% der Aktien aller DAX Unternehmen, ist damit also Großaktionär in sämtlichen großen deutschen Firmen und hat als solcher einen großen Einfluss auf deren Firmenstrategien. Dieser Einfluss kommt daher, dass die Firmen ihre Geschäftsstrategien mit ihren Besitzern, also Aktionären, absprechen müssen, und je mehr Prozent einer Firma ein Aktionär besitzt, desto größer ist sein Mitspracherecht und damit sein Einfluss. Aber auch die großen Firmen geben ihr Geld an Black Rock weiter und wollen es ebenfalls investieren. Es handelt sich hier also um einen Kreislauf. Daraus ergeben sich fünf Probleme:

Zum einen hat Black Rock eine ähnliche Funktion erlangt wie Banken. So hat Frankreich zum Beispiel ein großes Interesse, dass Black Rock in französische Unternehmen investiert. Diese Investitionen in Form von Wertpapier-Käufen können die Wirtschaft stärken, da sie den jeweiligen Firmen mehr Geld für Anschaffungen bereitstellen, welche einen besseren Ausbau der Firma, mehr Werbung oder neue Investitionen ermöglichen können. Andererseits wächst damit der Einfluss Black Rocks nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Politik, da starke Unternehmen ein gutes Bild auf die Wirtschaftspolitik einer Regierung werfen und sogar auf die Bevölkerung. Ein wirtschaftlich starkes Land kann viel in Infrastruktur (Straßen, Gleise, Flughäfen, etc.) investieren und das holt wieder neue Firmen in das jeweilige Land. Der Kernpunkt jedoch: Black Rock hat dadurch zwar die Wirkung einer Bank, gilt jedoch offiziell nicht als eine Bank und wird daher nicht so streng kontrolliert und hat weniger Auflagen beim Risikomanagement.

Ein weiteres Problem ist, dass Black Rock in Konkurrenzunternehmen investiert. Sie verkaufen dies als Risiko-Streuung, aber die als ETS bezeichneten Indexprodukte sind entscheidend von Wachstum abhängig. Wenn wir also in unseren Protesten für mehr Klimaschutz eine Abkehr von dem ständigen Wachstums-Prinzip fordern, dann gefällt das Black Rock gar nicht. Nur durch ein durchschnittliches, gesamtheitlich gesehenes Wachstum aller 30 Hauptunternehmen in Deutschland steigt der DAX weiter und nur so nimmt der Wert von den Indexprodukten Black Rocks und damit der Aktien deiner Eltern zu. Noch schlimmer wäre es, wenn eine Wirtschaftskrise käme. Wie diese ausgelöst werden kann, ist eine andere Geschichte, wichtig ist jedoch, dass eine Wirtschaftskrise einen erheblichen Wertverlust der DAX-Unternehmen zur Folge hätte. Dadurch wären Indexprodukte weniger Wert und alle würden diese verkaufen wollen. Durch dieses Überangebot an zu verkaufenden Aktien würden also die Anleger (deine Eltern) Verluste machen und hätten damit nicht das Geld, durch private Investitionen (zum Beispiel Anschaffung einer Spülmaschine) die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Wenn niemand mehr einkauft, geht niemand mehr arbeiten, weil nichts mehr gebraucht wird und folglich niemand mehr bezahlt werden kann. Wichtig jedoch: „Brauchen“ ist hierbei relativ, und genau das macht die Problematik aus – Menschen hungern wieder in einer Wirtschaftskrise, auch hier in Deutschland, auch in den USA, egal wie reich die Länder einmal waren. Das ist das Problem einer Wirtschaftskrise. Was dadurch jedoch klar wird: Indexprodukte mögen zwar Gewinne für die Anleger abwerfen, wenn alles gut läuft, vervielfachen jedoch den Verlust, wenn etwas mal schlecht läuft und sind daher ein enormes Risikogeschäft, nicht nur für die Anleger selbst, also deine Eltern, sondern für alle Menschen, die von großen Konzernen abhängig sind, also wir alle in unserer hochgelobten Zivilisation.

Das dritte Problem ist, dass durch die Investitionen von Black Rock der Fokus der Unternehmen verschoben wird. Dieser Punkt ist noch ziemlich neu und wird gerade erst erforscht. Fest steht jedoch bereits, dass die Investition in konkurrierende Unternehmen zur Folge hat, dass nicht mehr das Prinzip des Wettbewerbs auf dem freien Markt vorherrscht, also versucht wird, dem Kunden so viel wie möglich, so billig wie möglich und so schnell wie möglich anzubieten, sondern dass die Konkurrenten sich auf das investierende Unternehmen ausrichten statt auf den Kunden. Ein Beispiel dafür war die Investition Black Rocks in konkurrierende Fluggesellschaften auf dem amerikanischen Markt. Der Effekt war, dass nicht die Leistungen durch Investitionen verbessert wurden, sondern die Preise anstiegen. Durch die Investition war es den Unternehmen egal, welche von ihnen den Kunden für sich gewinnt, da das Geld von Black Rock kam und man es nur dem Investor recht machen wollte. Den Firmen war es egal, ob die Kunden unzufrieden sind, solange sie Geld vom Investor Black Rock bekamen. Black Rock kann durch dieses Prinzip im weitesten Sinne also die Qualität von Produkten gefährden und verschlechtern und das kann schlimme Auswirkungen haben, die zum Großteil noch nicht absehbar sind. Black Rock versucht jedoch tatkräftig, die Forschung zu diesem wirtschaftlichen Effekt kleinzureden und zu verhindern.

Das vierte und vielleicht schwerwiegendste Problem ist, dass Black Rock einen Computer besitzt, welcher dem Unternehmen zusätzlich enorme Macht verleiht. Dieser Computer heißt Aladdin. Er wurde nach den letzten schweren Finanzkrisen genutzt, um zu überprüfen, ob Wertpapiere von der Krise betroffen sind, also keinen Wert mehr besitzen, oder nicht. Wie genau das funktioniert, ist sehr kompliziert und auch nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass sich im Zuge dessen Staaten der Welt (auch Deutschland diverse Male) an die Firma gewandt und sensible Daten an Black Rock übermittelt haben, mit denen der Konzern herausgefunden hat, ob etwas Wert hat oder nicht. Dies bedeutet, dass auch Black Rock selbst weiß, wo es sich lohnen würde zu investieren, und genau das ist das Problem. Eine Firma, die gleichzeitig für Kunden investiert und für Staaten herausfindet, wo man investieren kann, hat theoretisch die Möglichkeit, diese sensiblen Daten für den eigenen Vorteil auszunutzen. Natürlich ist dies illegal, aber die Staaten sind in höchstem Grade abhängig von Black Rock, da ohne die Analyse viele von ihnen höchst verschuldet und wirtschaftlich am Boden wären, sodass eine Strafverfolgung ziemlich unmöglich wäre. Um dies zu verhindern, schwört Black Rock auf die sogenannte Chinesische Mauer, die die einzelnen Firmenbereiche voneinander trennt und den Informationsfluss verhindern soll. Wie genau dieses Prinzip aussieht, weiß niemand so recht. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß, dass es Lücken gibt, und es steht fest, dass Black Rock theoretisch fast unbegrenzt alles einsehen und damit unvorstellbar reich werden könnte. Ein Beispiel ist eine Anfrage der EU in den letzten Jahren. Damals schickte diese Daten von griechischen Banken an Black Rock zur Analyse. Der Konzern sollte herausfinden, wie pleite Griechenland war und wie es mit den Banken stand. Die EU tat dies im Zuge der zahlreichen Rettungsschirme für Griechenland. Es fiel auf, dass Black Rock wenig später in Griechenland investierte. Es ist jedoch nicht zu klären, ob die EU-Daten dafür missbraucht wurden oder nicht. Momentan ist es so, dass die EU und Deutschland weiterhin Aladdin nutzen und auch darauf angewiesen sind. Es heißt jedoch, dass nach Alternativen gesucht wird. Etwas, woran Black Rock sicherlich nicht interessiert ist.

Aus alldem resultiert, dass die Staaten wollen, dass Black Rock ihnen wohlgesonnen ist. Das heißt, von Seiten eines Staates wird es wohl kaum Versuche geben, den Konzern einzuschränken, ihn mehr zu kontrollieren oder ihm Macht zu nehmen. Das große fünfte Problem nur: auch von kleiner, bürgerlicher Seite aus ist das Interesse klein und wird immer kleiner, je mehr Macht Black Rock bekommt und je mehr die Firma in unser tägliches Leben investiert. Wenn sich Black Rock also mehr Geld erwirtschaftet, mehr Kundengelder verwaltet, kann es mehr in Unternehmen investieren, von deren Arbeit unser Leben abhängt (Lebensmittelkonzerne, Pharmaziekonzerne, Fluggesellschaften, Autokonzerne, …) und damit einerseits deren Unternehmenspolitik mitbestimmen und andererseits mit einer Abwendung (Verkauf der Aktien) drohen und damit deine Eltern und sogar dich selbst davon abhalten, etwas gegen Black Rock zu tun. Eine Abwendung ist eine Drohung, da Black Rock aufgrund seines Erfolges eine Art Vorbildfunktion in der Wirtschaft erlangt hat. Wenn Black Rock also groß irgendwo investiert, rennen alle Kleinen hinterher, weil sie denken: Das ist erfolgreich, da gibt es Geld. Wenn Black Rock das macht, dann muss es gut sein. Genauso umgekehrt: Geht (Verkauf der Aktien) Black Rock, gehen fast alle, und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Firma pleitegeht. Wir tun also nichts, denn wer wird riskieren wollen, morgen nichts mehr zu essen zu haben? Jedoch ist diese Entwicklung fortschreitend und je länger nichts passiert und je länger Black Rock freie Hand hat, desto abhängiger werden wir alle von diesem Konzern und desto größer wird auch das Risiko, dass Black Rock sich irgendwann mal verschätzt und wir keine Sicherungen und keine Idee vom Ausmaß des Schadens haben, weil Black Rock nahezu unkontrolliert handelt. Wenn nämlich Black Rock pleitegeht, wird automatisch alles zusammenbrechen. Fast alle Firmen, in die Black Rock investiert hat, werden Geldnot haben. Dann heißt es entweder: strikte Sparmaßnahmen für Firmen, bei denen vielleicht auch eure Eltern arbeiten. Im Zuge dessen werden Menschen entlassen. Oder die Kettenreaktion einer erneuten und wohl bis dato schwersten Wirtschaftskrise wird in Gang gesetzt.
Was können wir also tun? Um ehrlich zu sein, keine Ahnung! An manchen Stellen ist zu befürchten, dass es bereits kein Zurück mehr gibt. Es ist nämlich so, dass wir noch nicht mal bewusst in Black Rock investieren müssen, um gefangen zu sein. Es reicht, bei bestimmten Versicherungen zu sein, die das Geld, welches deine Eltern einzahlen, bei Black Rock anlegen. Das bedeutet, auch die Renten- oder Arbeitslosenrücklagen deiner Eltern sind nicht wirklich sicher! Ich glaube, am wichtigsten ist, dass wir Bescheid wissen und dass ihr euren Eltern erzählt, wie Black Rock funktioniert, welche Macht der Konzern hat und wie sie selbst in dem System gefangen sind.